StartseiteStefan von JankovichMeditationenAnfahrtLinksammlungKontakt

Stefan von Jankovich:

Über sein Leben

Nahtod Bericht

Leben auf dem Schulplaneten Erde

Bücherverzeichnis

Allgemein:

Startseite

Engel von Christina Maria Gisi-Brechbühl, Sursee

Mein schönstes Erlebnis war mein Tod

Ich war immer ein mehr oder weniger guter Sportler, ein gesunder, ja sehr aktiver Mensch. Ich habe mich vor allem mit dem Alltag, mit materiellen und irdischen Zielen befasst. Es musste erst zu einer großen Tragödie kommen, damit die göttlichen Kräfte in mir erwachen konnten. Ich glaube jetzt, es ist das Wichtigste im Leben eines Menschen, dass er bewusst anfängt, das Licht und die Wahrheit zu suchen. Deshalb pflege ich zu sagen, dass ich am 16. September 1964 gestorben bin und einige Minuten später als ein ganz neuer Mensch, mit ganz anderen Idealen, Erfahrungen und Erkenntnissen wiedergeboren wurde.

Beruflich bin ich ein Architekt-Ingenieur, ein sehr konkret denkender Mensch. Bei mir zählte immer nur die Realität, sei es im Beruf (Statistik, Mathematik, Geometrie, Renditenberechnung usw.) oder sei es im Segelsport (Physik, Aerodynamik, Hydrodynamik usw.) Ich war nie als Träumer, Phantast, Poet oder dergleichen bekannt.

Ich habe mich vor meinem Unfalltod nie mit religiösen Problemen befasst. Ich wurde religiös erzogen, lebte aber als nicht praktizierender Katholik das Erdenleben sehr intensiv und in allen Sparten erfolgreich: im Geschäft als Architekt, privat im Segelsport und auf dem Gesellschaftsparkett. So war ich für ASW-Erlebnisse (ASW = Außersinnliche Wahrnehmung) nicht vorprogrammiert. Ich war nie durch irgendeine Art von dogmatischer, ideologischer, philosophischer, parapsychologischer Theorie westlicher oder östlicher Prägung beeinflusst. Ich erlebte alles als neutraler Beobachter. Ich habe vorher nichts von solchen Erlebnissen gelesen. Was ich feststellte, war für mich alles neu. Ich empfand alles spontan und echt.

Ich war durch meine Erlebnisse so stark beeindruckt, dass ich sofort mit allen Mitteln versuchte, alles zu fixieren, zu erzählen und aufs Tonband zu diktieren. Damit versuchte ich meine Erlebnisse möglichst treu festzuhalten. Dabei habe ich alles, was ich erlebte, in meinen Notizen ganz einfach, fast primitiv wiedergegeben. Eine Fälschung oder literarische Verzierung scheidet damit aus. Niemand, kein „Meister“ leitete mich. Ich besprach meine Gedanken mit niemanden.

Ich bin glücklich, dass ich sehr lange im Spital gelegen habe und während dieser Zeit zum Nichtstun verurteilt war. Während dieser Zeit hatte ich die Gelegenheit, mich ungestört mit diesen Problemen zu befassen, was mir auch die Grundlage zur Weiterentwicklung gab.

Ich versuchte später, meine Erlebnisse zu überprüfen. Zuerst ließ ich meinen Körper und Geist durch ärztliche Untersuchungen testen. Der Vertrauensarzt des Schweizerischen Eidgenössischen Luftamtes hat mich sogar für Instrumentalflug (IFR) tauglich befunden.

Den Lebensfilm erzählte ich damals meinem inzwischen verstorbenen Vater, der mit großem Erstaunen meine Aussage darüber bestätigte, unter welchen speziellen Umständen ich geboren worden war (Kerzenlicht), wie mein Kinderzimmer damals ausgesehen hatte, das eine Woche nach meiner Geburt umgestellt worden war, und was für Kleider meine Mutter bei gewissen Ereignissen getragen hatte usw.

Und jetzt, nach diesen Vorbemerkungen, ist hier mein Erlebnisbericht. Am 16. September 1964 um 13:10, im Alter von 44 Jahren, hatte ich bei Bellinzona, Schweiz, als Beifahrer einen sehr schweren Autounfall. Nach einem Frontalzusammenstoss mit einem Lastwagen wurde ich aus dem Auto geschleudert und blieb mit 18 Knochenbrüchen bewusstlos auf der Strasse liegen.

Vor dem Zusammenstoss habe ich einige schreckliche Sekunden erlebt als ich den Lastwagen auf uns zurasen sah. Ich sah durcheinandergemischte Bilder, ich schrie auf, und dann wurde plötzlich alles still. Ich fiel in Ohnmacht. Während dieser Zeit hatte ich kein Empfindungsvermögen. Ich kann mich jedenfalls an nichts mehr erinnern.

Mein Todeserlebnis begann sehr wahrscheinlich im Moment des Stillstandes meines Herzens, das heißt nach dem völligen Zusammenbruch des Kreislaufes. Bei Beginn dieses klinisch toten Zustandes ging bei mir wie beim Theater ein Vorhang auf. Eine Vorstellung begann, welche mehrere Aufzüge, Etappen oder Phasen umfasste. Ich habe drei Aufzüge miterlebt.

Phase I: Bewusstwerden des Todes

Plötzlich kam ich wieder zum Bewusstsein. Ich fühlte mich von einem beängstigenden, bedrückenden, eingeengten Zustand befreit. Erleichtert nahm ich das wiedererlangte Bewusstsein wahr: „Ich überlebte den Zusammenstoss.“ Das war mein erstes Empfinden. Doch mein „Erwachen“ war nicht wie erwartet, weil ich deutlich spürte: Ich sterbe jetzt.

Ich war sehr erstaunt darüber, dass ich das Sterben gar nicht als unangenehm empfand. Ich fürchtete mich überhaupt nicht vor dem kommenden Tod. Es war so natürlich, so selbstverständlich: dass ich jetzt am Sterben bin und endlich – ja, ich spürte endlich – dass ich sterbe und diese Welt verlasse. Während meines Lebens hätte ich nie daran gedacht, dass man so schön und so einfach vom Leben scheiden kann, dass man plötzlich nicht mehr verkrampft am Leben hängt.

Aufgrund des Unfalls musste ich glücklicherweise nicht den langsamen Todeskampf durchmachen. Durch den Schock des Unfalls wurde mein Ich-Bewusstsein plötzlich vom materiellen Körper getrennt. Ich fühlte mich dadurch persönlich sehr erleichtert, fand diesen Zustand sehr schön, natürlich, kosmisch. Ich fühlte mich erlöst und hatte das Gefühl: „Endlich bin ich soweit“ Ich dachte ohne jegliche Angst: „Ich bin glücklich, dass ich nun sterbe.“ Mit gewisser Neugierde wartete ich darauf, was noch passieren würde, wie dieser Sterbevorgang oder Todesprozess weiter vor sich gehen würde. Ich war glücklich, gespannt und neugierig wie ein Kind vor Weihnachten.

Ich fühlte, dass ich schwebte und hörte gleichzeitig wunderschöne Klänge. Zu diesen Klängen nahm ich dazugehörende harmonische Formen, Bewegungen und Farben wahr. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass jemand mich ruft, tröstet, leitet in einen anderen Existenzbereich, wo ich nun als Neuling eintreten durfte. Doch ich sah niemanden. Ein göttlicher Friede und eine noch nie wahrgenommene Harmonie erfüllten mein Bewusstsein. Ich war restlos glücklich und fühlte mich durch keinerlei Probleme belastet. Ich war allein, kein Wesen der Erde (Eltern, Frau, Kinder, Freunde oder Feinde) störten meine göttliche Ruhe,

Ich habe oft darüber nachgedacht, ob mir damals irgendein irdisches Problem oder eine Person in den Sinn gekommen war, aber ich konnte mich an nichts und an niemanden erinnern. Ich war völlig allein, völlig glücklich und befand mich in einem noch nie erlebten harmonischen Zustand. Ich hatte nur ein deutliches Empfinden, ungefähr so, wie wenn man sagt: „Näher, mein Gott, zu Dir…“ Ich schwebte immer näher zum Licht empor. Ich empfand immer größere Harmonie. Die Klänge der Musik wurden transparenter, stärker und schöner, überfluteten alles und wurden durch Farben, Formen, Bewegungen begleitet. Wirklich beschreiben kann man dies nicht. Man könnte es vielleicht annähernd mit dem Film Fantasia von Walt Disney vergleichen, in dem er versucht hat, die Stimmungen, die durch das Hören von Symphonien in seiner Seele aufkamen, in Farben, Formen und Bewegungen wiederzugeben.

Die Farben- brillant, kristallklar und leuchtend – erschienen gleichzeitig in Pastelltönen und waren unwahrscheinlich schön Ich fand diese Farben, die ich in diesen Formen und Erscheinungen wahrnahm so schön, dass ich sie seit jener Zeit bewusst suche und mich daher der Glasmalerei zuwandte. Die kristallklare Farbe des Glasmaterials bei der Bruchstelle, die von verschiedenen Seiten mit Licht überflutet wird erinnert mich immer wieder an diese wunderschönen Farberscheinungen.

Phase II: Beobachtung des eigenen Todes

Dann fühlte ich, dass ich effektiv schwebte. Ich befand mich plötzlich über der Unfallstelle und sah dort meinen schwerverletzten, leblosen Körper liegen, ganz genau in derselben Lage, wie ich das später von den Ärzten und aus dem Polizeirapporten erfuhr. Ich sah die ganze Szene gleichzeitig von mehreren Seiten, deutlich und transparent. Ich sah auch ganz deutlich unseren Wagen und die Leute, die rings um die Unfallstele standen, sogar die Kolonne, die sich hinter den herumstehenden Menschen aufgestaut hatten.

Die Leute scharten sich um mich herum. Ich beobachtete einen kleinen, festen etwa 55jährigen Mann, der versuchte, mich wieder zum Leben zurückzurufen. Ich konnte genau hören, was die Leute untereinander sprachen, das heißt eigentlich „hörte“ ich es nicht, mein lebloser Körper lag unten auf dem Boden mit abgerissenen Ohren. Doch ich konnte wahrnehmen, was die Menschen sagten oder dachten. Der Arzt kniete an meiner rechten Seite und gab mir eine Spritze, zwei andere Personen hielten mich an der anderen Seite und befreiten mich von den Kleidern. Ich sah, wie der Arzt meinen Mund mit irgendeinem Gegenstand – sehr wahrscheinlich mit einem Holzklotz – aufspreizte. Unter anderem konnte ich auch erkennen, dass meine Glieder gebrochen waren und sich rechts neben mir eine Blutlache ausbreitete.

Ferner beobachtete ich, wie der Arzt versuchte, mich auf künstliche Art zu beleben, und wie er feststellte, dass auch meine Rippen gebrochen waren. Er bemerkte: „Ich kann keine Herzmassage machen.“ Nach einigen Minuten stand er auf und sagte: „Es geht nicht, man kann nichts machen, er ist tot.“ Er sprach Berndeutsch und ein etwas komisches Italienisch.

Man wollte meinen Körper vom Straßenrand entfernen und fragte das anwesende Militär, ob irgendwo eine Decke sei, um meine Leiche zu bedecken, bis der Leichenwagen eintreffe. Ich habe über diese „blöde“ Szene fast gelacht, weil ich wusste, dass ich lebe. Ich war nicht gestorben. Unten lag nur mein ehemaliger Körper.

Ich fand dies alles sehr komisch, aber keineswegs störend. Im Gegenteil: es machte mir geradezu Spaß, die Bemühungen dieser Leute mit ansehen zu können. Ich wollte ihnen „von oben“ zurufen: Hallo, ich bin hier, ich lebe! Lasst den Körper, wie er ist. Ich lebe! Ich fühle mich wohl! Aber sie verstanden mich nicht, und ich konnte keinen Ton von mir geben, da ich „oben“ keine Kehle und keinen Mund hatte. Anschließend sah ich einen schlanken jüngeren Mann in schwarzer Badehose und barfuss mit einer kleinen Tasche in der Hand auf mich zurennen. Diese Person sprach Schriftdeutsch mit dem anderen Arzt. Mich interessierte diese Szene dann nicht mehr weiter, und deshalb schaute ich auch nicht genau zu.

Diese Person hatte mit dem Arzt ein Wortwechsel. Er kniete daraufhin zu mir nieder und untersuchte mich. Er gab mir eine Adrenalin-Spritze in die Herzkammer. Ich konnte das Gesicht dieses Mannes ganz gut in mich aufnehmen. Und tatsächlich, fünf Tage später kam ein Herr in mein Spitalzimmer in Bellinzona. Er trug einen normalen Straßenanzug. Ich erkannte das Gesicht aber sofort und begrüßte ihn in Schriftdeutsch mit „Guten Tag, Herr Doktor, warum haben Sie mir diese teuflische Spritze gegeben?“ Er war verblüfft und fragte, wieso ich ihn erkannt habe. Ich erzählte es ihm Wir wurden später gute Freunde.

Es war alles sehr interessant, diese schreckliche Szene zu sehen wie nach einem Autounfall ein Mensch „unten“ starb. Besonders interessant war, dass ich dieser Mensch selber war und ich mich von oben her als Zuschauer ohne Emotionen, ganz ruhig in einem himmlisch glücklichen Zustand beobachten konnte.

Dies war mein erstes vierdimensionales Erlebnis, nämlich als ich frei in zirka drei Meter Höhe über meiner Unfallstelle schwebte. Meine Sinnesorgane funktionierten alle gut, und mein Gedächtnis konnte alles registrieren. Ich konnte auch denken. Ich spürte kein Hindernis und keinen Schmerz.

Dann interessierte mich die Unfallstelle nicht mehr. Ich flog allein weiter, doch hatte ich das Gefühl, dass ich nicht allein war, sondern dass sehr gute Wese mich umgaben. Alles war so beruhigend, harmonisch, wunderschön. Die Töne, die Lichtspiele wurden immer stärker und überfluteten mich und meine ganze Umgebung. Dann sah ich die Sonne irgendwo oben rechts. Ich flog deshalb schräg in diese Richtung weiter. Die Sonne wurde immer lichter, immer strahlender, immer pulsierender. Ich verstehe heute, warum so viele Menschen und Religionen die Sonne als Gottessymbol auffassen oder einen Sonnengott verehren.

Das Erlebnis des schwerelosen Zustandes und des freien Fluges hat mich so stark beeindruckt, dass ich nach meiner Genesung in einer Schweizer Pilotenschule das Privatpiloten-Brevet erwarb. Wenn es jetzt die Zeit erlaubt, fliege ich hoch über die in Nebel eingehüllten Täler, über die weißen Berggipfel in Südrichtung, über die Poebene bis zum Mittelmeer. Wenn die Sonne am Nachmittag rechts oben über mir steht, dann bin ich an mein Erlebnis wieder lebhaft erinnert, und ich fühle mich im kleinen Flugzeug frei und glücklich.

Phase III: Lebensfilm und Bilanz

Dann begann ein phantastisches vierdimensionales Theaterstück, das sich aus unzähligen Bildern zusammensetzte und Szenen aus meinem Leben wiedergab. Um irgendeine Größenordnung zu nennen, gab ich damals die Zahl 2000 an, die mir in Erinnerung geblieben ist. Die Zahl ist im Grunde genommen nicht wichtig. Jede Szene war abgerundet, das heißt, mit einem Anfang und einem Ende. Aber die Reihenfolge war umgekehrt. Der „Regisseur“ hat seltsamerweise das ganze Theaterstück so zusammengestellt, dass ich die letzte Szene meines Lebens, das heißt meinen Tod auf der Strasse bei Bellinzona zuerst sah, während die letzte Szene dieser Vorstellung mein erstes Erlebnis war, nämlich meine Geburt. So begann ich damit, meinen Tod wiederzuerleben. Die zweite Szene zeigte mir die Fahrt über den Gotthard. Bei strahlender Sonne sah ich die kleinen weißen Schneekappen auf den Bergen.

Alle Szenen sah ich so, dass ich nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Beobachter war. Mit anderen Worten: Es hat sich ungefähr so abgespielt, als ob ich über dem ganzen Geschehen im vier- oder mehrdimensionalen Raum geschwebt wäre und von oben, von unten und von allen Seiten gleichzeitig das ganze Geschehen miterlebt hätte. Ich schwebte über mir selbst. Ich betrachtete mich von jeder Seite und hörte zu was ich selber sagte. Ich registrierte mit allen meinen Sinnesorganen, was ich sah, hörte, spürte und auch was ich gedacht habe.

Mein Gewissen wertete mein Handeln und meine Gedanken sofort aus und beurteilte mich selbst, ob diese oder jene Tat gut oder schlecht gewesen war. Es war sehr merkwürdig, dass harmonische, positive Erinnerungen auch in jenen Szenen auftauchten, die nach unserer gegenwärtigen Gesellschafts- oder Religionsmoral als schlechte Taten oder Sünden bezeichnet würden. Andererseits wurden viele im Erdenleben bewusst vollbrachte sogenannte „gute Taten“ als negativ, als schlecht bewertet, wenn die Grundideen negativ und nicht harmonisch waren, zum Beispiel wenn die Tat Egoismus entsprang. Gut und Böse werden im Jenseits mit anderem Maßstab gemessen.

Das zweite merkwürdige Phänomen war, dass die durch diesen absoluten Maßstab als negativ beurteilten Szenen nach dem Urteil ausgelöscht worden sind. Es blieben nur diejenigen Szenen haften, während derer ich und alle Beteiligten glücklich waren: wo Harmonie nicht nur in mir selbst, sondern auch in der ganzen Umgebung herrschte.

Nach dieser phantastischen mehrdimensionalen Theatervorstellung über mein Leben kam eine Schlussbilanz, die von mir selbst abgefasst wurde. Formulieren kann ich sie nicht mehr. Aber ich spürte, dass ich noch gute Chancen bekommen würde.

Dann hat mich das glücklich machende Licht noch einmal überflutet, die Musik der Sphären dröhnte wie eine vier-, fünf- oder mehrdimensionale Stereoanlage; alles war Licht, alles war Musik, alles war Schwingung! Die Sonne pulsierte, und ich spürte dass die Sonne eigentlich Symbol des Urprinzipes, das Alpha und Omega, die Quelle aller Energien ist. Ich ahnte, dass dieses Prinzip Gott selber ist!

Was ich sah, war nicht einmal die Sonne, sondern eine sonnenartige, wunderschöne, warme, lichterfüllte Erscheinung. Alles schwang, alles pulsierte! Die Schwingungen meiner körperlosen Seele und meines Geistes begannen sich diesen harmonischen Schwingungen anzupassen. Ich fühlte mich immer glücklicher und wohler, je schneller mein Bewusstsein vibrierte und sich in dieser neuen Dimension enorm erweiterte.

Dann aber geschah das Schreckliche: Ich fiel in die schwarze Tiefe hinunter, und mit einem unheimlichen „Ruck“ und “Schock“, schlüpfte ich in meinen schwerverletzten Körper zurück. Plötzlich war alles Schöne weg. Ich spürte: ich musste zurück. Ich kam wieder zum Wachbewusstsein. Ich wurde mit Gewalt durch die Kunst eines guten Arztes zurückgeholt. Dadurch hat meine Leidensgeschichte wieder begonnen. Seit dieser Zeit pflege ich ironisch zu sagen: „Das schönste Erlebnis meines Lebens war mein Tod“, oder anders ausgedrückt: „Ich war noch nie so glücklich in meinem Leben wie in meinem Tod.“

Alles, was ich vom Herzstillstand bis zur Rückkehr in diese Welt erlebte, sind für mich konkrete Tatsachen. Diese Erlebnisse sind keine Halluzinationen. Ja, im Todeskampf kann man Todesangst haben. Ich erlebte diese Angst auch zweimal in Todesgefahr. Da hat man Halluzinationen. Man sieht auch Bilder vom Leben, die aus dem Unbewussten hochdringen. Aber diese Bild-Halluzinationen haben keine plastische Ausdrucksweise und auch keine Reihenfolge. Ich würde diese Erscheinungen gegenüber dem Lebensfilm als flache Diapositiv-Projektionen bezeichnen. Und außerdem; der Lebensfilm ist unbedingt mit dem Urteil verbunden.

Zu diesem Urteil muss ich noch weiteres betonen: Ich selber fällte das Urteil. Nicht irgendein Gott oder astraler Richter. Nicht der allmächtige Gott von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle, nicht der im apokalyptischen Feuer erscheinende Richter von Johannes, nein. Ich selber hatte die Bilanz zu ziehen. Ich spürte klar, ob ich in dieser oder jener Situation richtig handelte oder mich richtig verhielt, das Problem richtig löste, eine Probe bestand oder nicht. Mit meiner plötzlich sehr sensitiv gewordene Seele oder durch den göttlichen Funken konnte ich das Urteil verspüren. Was das Urteil betrifft, so ist dies eine der wichtigsten Erfahrungen vom Tod die ich hier mit Bestimmtheit erkläre: Ich beurteilte mich nicht nach irdischen Moralgesetzen sondern nach dem kosmischen Harmoniegesetz er Liebe.

Ich hatte lange Zeit im Spital untätig liegend nachgedacht, wie ich dieses Phänomen entziffern könnte. Warum habe ich eine Handlung als positiv beurteilt, wenn ich gegen die bestehenden moralischen christlichen Gesetze und Gewohnheiten verstoßen habe? Andererseits: Warum verurteilte ich mich manchmal auch für sogenannte „gute Taten“, bei denen ich sogar gegen mich selbst Zurückhaltung, Enthaltung, eine Art von Askese geübt hatte?

Ich bin heute überzeugt, dass Taten positiv und als gut bewertet wurden, die durch selbstlose Liebe gelenkt wurden. Bei mir waren die Taten positiv, die mit guten Absichten ausgedacht und durchgeführt wurden und sich ohne Zwang abspielten. Wenn die Szene harmonisch ablief, das heißt wenn diese alle Beteiligten freiwillig und zustimmend erlebt haben und sich dabei wohl fühlten wurde diese positiv beurteilt. Das gilt auch für alle Taten, mit denen ich allen Beteiligten Freude bereitet habe. Irgendwie war bei den positiven Szenen auch ein Faktor der geistigen Weiterentwicklung zu erkennen. Selbstlosigkeit, Liebe, zustimmende Freiwilligkeit, allgemeine Gerechtigkeit, guter Wille und Harmonie – das waren die Hauptmerkmale der positiven Taten.

Dagegen wurden als negativ die Taten oder Gedanken beurteilt, die einen böswilligen Ursprung beinhalteten, wie Hass, Rache, Neid, Machtgier, Geldgier, Habsucht, Eitelkeit, Eifersucht, Stolz usw. Weiterhin die Taten, die egoistisch interpretiert oder erlogen waren, Taten die durch egoistische Hintergedanken erdacht wurden und mit denen ich anderen Nachteile oder Schaden zugefügt habe. Alle die Taten und Gedanken, die nicht offen und ehrlich waren, die dem anderen eine Falle stellten, und auch Taten, die hinterlistig waren. Negativ wurden diese Taten auch dann beurteilt, wenn sie für die Welt als „gut“ erschienen. Schlecht waren die Taten, bei denen ich jemandem etwas aufzwang, sei es eine Handlung, Idee oder Meinung. Diese Taten stellten alle einen Eingriff in den Lebenslauf des anderen dar, eine Einschränkung des freien Willens einer Person. Ebenso dasselbe galt, wenn ich mich selbst – aus irgendwelchem Grund – vergewaltigt habe.

Anders ausgedrückt waren die Taten negativ beurteilt, bei denen ich aus egoistischen Beweggründen gegen die berechtigten Interessen anderer handelte, bei denen ich irgendwen schädigte, die Schwäche Dritter ausnützte, moralisch und finanziell von jemandem etwas erpresste, das heißt, wenn ich nicht im Einklang mit der allgemeinen Liebe harmonisch handelte.

Ich habe mich sehr mit diesem Problem beschäftigt und tue das auch noch weiterhin. Heute scheint es mir, dass die negativen Taten immer mein Versagen darstellten, bei denen es mir nicht gelang, Proben zu bestehen oder mit Problemen der Vergangenheit fertig zu werden, und ich mich von diesen Belastungen nicht befreien konnte.

Die Beurteilung entsprach nicht einem Rechtsspruch oder einer Verurteilung durch einen Richter. Die Beurteilung erfolgte durch mich selbst. Es war ganz seltsam: Ich spürte, dass das ganze Leben eine Probe war, voll von Problemen, Hindernissen und Hürden. Wichtig war, wie man diese Probleme im Sinne der Harmonie löste. Gelang mir das, so verspürte ich große Freude. Gelang es mir nicht, die Probe zu bestehen so verspürte ich tiefes Bedauern über mein Versagen. Aber durch das Verspüren einer echten Reue öffnete sich die Tür der göttlichen Vergebung.

Dann wurden die Taten, die einen Verstoß gegen das Gesetz der Harmonie darstellten, ausgeblendet und verschwanden. Es blieben nur die positiven, glücklichen und harmonischen Taten als Gesamtergebnis, die ich alle wieder gleichzeitig erlebte. Man kann sagen – um mich mit einem Gleichnis der Schule zu bedienen -, dass man nur die guten Noten mitnimmt. Die schlechten Noten dagegen wirken etwa so: Diese Prüfung hast du nicht bestanden, deshalb wirst du die Prüfung wieder versuchen müssen. Und man wird dir eine gute Chance geben.

Lange habe ich über dieses Phänomen nachgedacht. Ich glaube heute zu erkennen: Gott-Prinzip ist das Absolute, Positive, Gute. Wir können es als absolute Liebe bezeichnen, wie es in der Bibel steht Es lohnt sich, das immer wieder zu lesen und ebenso die gleichlautenden Aussagen des Konfuzius, Mohammed, des heiligen Franziskus, des Meisters Eckehart und anderer der vielen großen Meister, Gurus, Yogis und wie sie alle heißen. Meiner Meinung nach gibt es in dieser von Gott geschaffenen Welt kein Böse, wie es auch keine Finsternis gibt. Finsternis ist Mangel des Lichts. Böses ist Mangel des Guten. Wir sollten bewusst das Gute in uns, das Prinzip der Liebe aktivieren.

Jetzt habe ich keine Angst mehr vor dem Tode. Doch, ich habe Angst vor dem prämortalen Zustand, vor der Zeit, bis mein Herz wieder in Stillstand kommt. Mit anderen Worten: Ich – wie wir alle – haben Angst vor dem Leiden, vor dem Prozess, der dem Tod vorangeht.

Aber der Tod selbst ist nichts Schreckliches, nichts Trauriges, Fürchterliches, sondern für den Sterbenden etwas Erhabenes. Wir müssen den Tod bejahen, wie wir das Leben bejahen Der Tod ist ein natürlicher Bestandteil, die Ergänzung des Lebens. Der Tod ist nicht das Ende des Ich-Bewusstseins, sondern eine Station der Weiterentwicklung nach Abschluss einer Phase des Bestehens des Ich-Bewusstseins hier in dieser Welt.

Ich persönlich bin glücklich, dass ich nochmals sterben werde, und ich wünsche allen dasselbe schönste Erlebnis des Glücks im Tod, so wie ich es hatte. Aber bis dahin bejahen wir das Leben, füllen es mit guten, positiven fröhlichen, harmonischen Taten aus.

Das Ziel des Lebens ist der Tod als Anfang in einem anderen Existenzzustand unseres Ich-Bewusstseins. Unser Ziel ist, durch bestandene Prüfungen in jenem Zeitpunkt ein positives Gesamturteil zu erhalten, so dass wir das Leben nicht wiederholen müssen, sondern dass die Weiterexistenz unseres Ich-Bewusstseins in einem anderen, materielosen, fortgeschrittenen Zustand geschehen kann.

Stefan von Jankovich (» Textauszug aus dem Buch „Ich war klinisch Tod“)